Michael Kiwanuka: Say My Name

Selbstbetitelte Alben werden von Musiklabels oft als persönlichstes, intimstes oder sogar wichtigstes Werk eines Künstlers angepriesen. Im Fall von Michael Kiwanukas drittem Album „Kiwanuka“ ist es eher ein trotziges Statement.

Bereits in der Schule hatte dem Briten, dessen Eltern in den Siebzigern aus Uganda geflüchtet waren, sein Nachname Schwierigkeiten bereitet, da seine Lehrer nicht wussten, wie man den Namen richtig ausspricht.

Als Michael Kiwanuka 2012, nachdem er jahrelang als Session-Gitarrist für andere Musiker und seine eigenen Songs lediglich in Pubs gespielt hatte, mit seinem Debütalbum „Home Again“ in den Startlöchern stand, wurde er von Labelmitarbeitern gefragt, ob er sich nicht lieber einen einprägsameren Künstlernamen zulegen wolle. Sein Nachname sei schwierig auszusprechen, er könnte in die Weltmusik-Schublade gesteckt werden, bekam er damals zu hören.

Doch es kam anders. Noch vor Veröffentlichung des Albums tourte der Newcomer mit Superstar Adele über die Insel, sein Album knackte die Top 10 der britischen Charts. Vier Jahre später eroberte Michael Kiwanuka mit dem Nachfolger, „Love & Hate“, den Rest Europas. Die eingängigen Melodien waren in unzähligen TV-Produktionen zu hören, allen voran der starbesetzten HBO-Erfolgsserie „Big Little Lies“. Und so machte der Name des Briten auch in den USA die Runde.

King Kiwanuka

Auf seinem neuen Album zelebriert Michael Kiwanuka nun sein neu gewonnenes Selbstvertrauen. „Ich beschäftige mich mit mir selbst und brauche kein Alterego“, stellt der 32-Jährige klar. „Ich werde nicht zu Sasha Fierce oder Ziggy Stardust“, spielt er auf die Bühnenpersonae von Beyoncé und David Bowie an. „Ich bin einfach Michael Kiwanuka.“

Das Albumcover, ein Gemälde des aus Atlanta stammenden Künstlers Markeidric Walker, zeigt den bescheidenen Singer/Songwriter als König. Der energetische Album-Opener „You Ain’t The Problem“, unterlegt von quirligen Afrobeats, ist eine Ode an Selbstakzeptanz. In der ersten Zeile des Songs „Hero“, einer Hommage an den einstigen Black-Panther-Aktivisten Fred Hampton, greift Kiwanuka mit stolzgeschwellter Brust erneut das Thema des Albums auf: „I won’t change my name, no matter what they call me“.

Zu diesen Selbstreflexionen passte der leichte, bereits im Sommer veröffentlichte Disco-Track „Money“ wohl nicht. Der groovende Song entstand in Zusammenarbeit mit dem britischen Produzenten Tom Misch. Für sein drittes Album setzte Michael Kiwanuka dann doch lieber wieder auf die Unterstützung eines Hit-Garanten.

Musikalisch ist auf „Kiwanuka“ die Handschrift von Hitmacher Brian Burton alias Danger Mouse (Red Hot Chili Peppers, Gnarls Barkley, U2) nicht zu überhören. Mit seinen modernen Retro-Arrangements verpasste er bereits dem akustischen, folkgetränkten Soul des Vorgängeralbums einen eklektischen Touch. Zusammengehalten werden die Songs von Kiwanukas brummendem Bariton.

Zwischen den einzelnen Stücken, zu deren Highlights das rasante „Rolling“, das schillernde, an die Gorillaz erinnernde „Final Days“ sowie die minimalistische Ballade „Solid Ground“ gehören, sind Samples aus historischen Aufnahmen der Bürgerrechtsbewegung zu hören. Eine Referenz an Größen wie Marvin Gaye und Gil Scott-Heron, aber auch an jüngere Künstlerkollegen wie Rapper Kendrick Lamar und Lauryn Hill, die in ihren Songs ebenfalls Bezug auf politische Ereignisse nehmen.

„Kiwanuka“ ist ein zeitgemäßes Soulalbum, das den Namen des Sängers noch bekannter machen dürfte. Und so schwierig ist die Aussprache gar nicht.

„Kiwanuka“ erscheint via Universal Music. Die Review erschien in der Passauer Neuen Presse.

Foto: Olivia Rose