Euphoria: Teenager am Abgrund

Radikal und schonungslos: Das Teenager-Drama „Euphoria“ sprengt Grenzen.

Jede Generation hat ihre High-School-Serie. Für Post-Millenials darf es etwas heftiger sein. Gegen die neue HBO-Produktion „Euphoria“, die hierzulande auf Sky anläuft, wirken „Beverly Hills, 90210“, „Gossip Girl“ und „Riverdale“ wie moralisierende Märchenstunden. Bereits die Neunziger-Filme „Trainspotting“ oder „Kids“ sowie jüngere Netflix-Serien wie „13 Reasons Why“, „Quicksand“ und „The End Of The Fucking World“ zeigten verzweifelte Teenager am Abgrund. Aber selten zuvor waren Sex, Gewalt und männliche Geschlechtsorgane so explizit in einer Jugendserie zu sehen.

Die Geschichte wird im Voiceover aus Sicht von Rue Bennett erzählt, gespielt von Ex-Disney-Darling und Popsängerin Zendaya. Zurück aus dem Sommer-Entzugscamp nach einer Überdosis, macht sie dort weiter, wo sie aufgehört: mit Pillen und Koks.

Dauerrausch statt echter Gefühle

An ihrer Schule scheint jeder zugedröhnt, mit Drogen walzen die Jugendlichen jegliche Emotionen platt. Dazu gehört auch Rues neue Freundin Jules Vaughn, dargestellt von Transgender-Model Hunter Schafer, die in Hotels mit verheirateten Männern schläft. Ihre Geschlechtsidentität ist dabei Nebensache, in Zeiten fluider Identitäten hat sie ganz andere Probleme.

Zahlreiche Tabuthemen werden in „Euphoria“ offen angesprochen. Es geht um Pornografie, Body-Shaming und sexuellen Missbrauch, Depressionen und Selbstverletzung. Radikal und schonungslos zeichnet die achtteilige Serie das Porträt der Generation Z, die umringt von Online-Pornografie, Dating-Apps und dem Dauerrauschen von Social Media in einer gelangweilten, hedonistischen Überflussgesellschaft aufwächst und ihre Ängste mit Drogen und Sex betäubt.

Mehr Haut, mehr Herzchen

Alles ist nur einen Klick entfernt. Statt echten Gefühlen gibt es anonyme Likes – je mehr Haut, desto mehr Herzchen. Echte Liebe suchen die Serienfiguren in romantischen Retro-Serien wie „My So-Called Life“ und „Gilmore Girls“. Und die Eltern? Die sind mit sich selbst beschäftigt.

„Euphoria“ ist wie ein verstörender Finstagram-Account, ein heimliches, ungeschöntes Instagram-Profil eines Teenagers, festgehalten in grellen Neon-Bildern. Serienerfinder Sam Levinson, der übrigens selbst drogenabhängig war, taucht seine Teenie-Soap in knallige Farben. Hinzukommen Kameraperspektiven, bei denen auch der Zuschauer jegliche Bodenhaftung verliert, etwa wenn Rue im Rausch an den Wänden entlang schlendert.

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Foto: 2019 Home Box Office, Inc.