Dear White People: Statement gegen Trump

Bunte Blousons, petrolfarbene Trenchcoats und elegante Etuikleider – die Studentinnen und Studenten der fiktiven Elite-Universität Winchester scheinen alle begehbare Kleiderschränke zu haben. Nicht nur die Kostüme, auch der Rest der Produktion der Netflix-Serie „Dear White People“ ist stark stilisiert. Ähnlich wie in Spike-Lee-Produktionen wird zu diskreten Jazz-Klängen über ernste Themen wie Rassismus, Feminismus, das Bildungssystem und soziale Ungerechtigkeit philosophiert. Da gerät der Plot gerne mal in den Hintergrund, die Spannung bleibt auf der Strecke.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe junger afroamerikanischer Frauen und Männer – der vorwiegend schwarze Cast mit Cameos von Laverne Cox, bekannt aus Orange Is The New Black, und Rap-Pionier Flavor Flav, ist bereits ein klares politisches Statement. Während die einzelnen Episoden der ersten beiden Staffeln jeweils einer Hauptfigur gewidmet waren, verliert sich der Fokus in den zehn neuen halbstündigen Folgen. Damit wird die zunehmende Zersplitterung einer chaotischen Gesellschaft deutlich. Mehrere Handlungsstränge werden parallel erzählt, die Kamera streift planlos über den Campus.

Pop und Politik

Die einstigen Protagonisten tauchen ab, stattdessen rücken die Geschichten von Nebenfiguren und einigen neuen Charakteren in den Vordergrund. Samantha White (Logan Browning) hat ihre titelgebende Radioshow aufgegeben, um sich auf ein Filmprojekt zu konzentrieren. Währenddessen hat der introvertierte Lionel Higgins (DeRon Horton), seine Leidenschaft für investigativen Journalismus verloren und entdeckt seine Sexualität. Unterstützt wird er dabei von Neuzugang Griffin Michaels als offen schwuler Tutor D’unte, der ihn in die schwule Subkultur der Uni einführt. Dabei wird der Oscar-prämierte LGBQT-Film Moonlight ebenso zitiert wie die Erfolgsserie „Pose“. Überhaupt finden sich zahlreiche popkulturelle Verweise in „Dear White People“. Anhand einer Parodie auf den TV-Hit „Handmaid’s Tale“ wird etwa der Feminismus weißer Frauen hinterfragt.

„Dear White People“ ist eine satirische Gesellschaftskritik. Die Macher um Serienerfinder Justin Simien schaffen es, zeitgenössische Entwicklungen unter neuen Blickwinkeln zu betrachten. So wird zum Beispiel die Rolle schwarzer IT-Experten im Silicon Valley hinterfragt und der Computerprogrammen und Algorithmen inhärente Rassismus untersucht.

Contra gegen Trump

Erstmals tritt die mysteriöse Erzählstimme der vorherigen Staffeln als Person in Erscheinung: Doch Giancarlo Esposito, bekannt aus Breaking Bad und dem Spinoff „Better Call Saul“, als Anführer eines Geheimbundes bleibt ebenso rätselhaft wie der Rest der Staffel. Genau wie die einstige Serienheldin mit ihrer Kunst hadert und sich in cineastischen Experimenten verliert, mäandert der Plot ziellos umher. Eine stringente Story fehlt. Dennoch ist „Dear White People“ angesichts der wiederholt rassistischen und sexistischen Äußerungen des völlig realen US-Präsidenten ein wichtiges Statement. Mehr dazu in der Passauer Neuen Presse.

Foto: Lara Solanki/Netflix