Orange Is The New Black: Nicht jede kriegt ein Happy End

Alle gehen bei Rot über die Straße, nur sie wartet. Denn als ehemalige Insassin riskiert Piper Chapman nach ihrer Entlassung aus dem Frauengefängnis Litchfield nichts weniger als ihre Freiheit. Während die ersten Folgen der Serie „Orange Is The New Black“ vor sechs Jahren die Knasterfahrungen einer privilegierten jungen Frau, die zur Drogenschmugglerin wurde, zeigten, begleitet die siebte und letzte Staffel der Netflix-Erfolgsserie die Protagonistin zurück in den Alltag. Oder das, was davon übrig blieb.

Denn die Welt außerhalb der Gefängnismauern ist aufgrund von Drogentests und Ausgangssperre genauso eingeschränkt wie der Gefängnisalltag. Ähnlich wie der einfühlsame Vierteiler When They See Us zeigt „Orange Is The New Black“, wie schwierig die Rehabilitation für ehemalige Häftlinge ist.

Radikale Erzählstruktur

Doch die Serie leistet nicht nur Aufklärungsarbeit vor, sondern auch hinter der Kamera. „Orange Is The New Black“ revolutionierte das serielle Erzählen. Handlungsbögen wurden über mehrere Staffeln hinweg gespannt, Hauptfiguren mussten sterben, die fünfte Staffel drehte sich ausschließlich um einen Gefängnisaufstand mit fatalem Ende. 

Vor allem aber setzte „Orange Is The New Black“ Maßstäbe in Sachen Diversität. Die anfängliche Protagonistin Piper, deren Geschichte auf den Memoiren von Piper Kerman basiert, diente lediglich als Türöffner. Im Mittelpunkt standen zunehmend Randgruppen, die im Mainstream-Fernsehen noch vor wenigen Jahren kaum präsent waren: Schwarze, Latinas, Homo- und Transsexuelle, Drogenabhängige, psychisch Kranke und ältere Frauen, die von einem brillanten Ensemble ebenso liebenswert wie glaubhaft dargestellt wurden.

Sympathische Antiheldinnen

Ob Killerin oder Kleinkriminelle, in Flashbacks wird die Vorgeschichte jeder auch noch so abgründigen Figur veranschaulicht. Das Team um Serienerfinderin Jenji Kohan schuf sympathische Antiheldinnen, denen die Autoren in den finalen 13 einstündigen Folgen noch einmal gerecht werden wollen. Ein komplexes Unterfangen, denn allein in den Opening Credits werden 19 Stars gelistet. Und so gerät der Fokus leider streckenweise etwas verloren.

Anhand der fiktiven Schicksale werden brisante Themen wie Rassismus, Polizeigewalt, Korruption und soziale Ungerechtigkeit eingebunden. In einer überraschenden Wendung schafft es auch die verschärfte US-Immigrationspolitik in den Plot. Die Willkür des Systems wird schmerzhaft spürbar, als eine der Hauptfiguren ein besonders schweres Schicksal ereilt. 

„Orange Is The New Black“ lebte stets von der Aktualitätsgebundenheit und den stilistischen Kontrasten, war politisch, emotional, witzig und dramatisch. Alberner Sitcom-Humor im Wechsel mit haarsträubendem Soap-Drama und brutaler realistischer Fiktion. Mit der siebten Staffel geht eine der erfolgreichsten Netflix-Produktionen zu Ende. So schwer der Abschied auch fällt – es wurde Zeit. Mehr in der Passauer Neuen Presse.

Foto: JoJo Whilden/Netflix

Ein Gedanke zu “Orange Is The New Black: Nicht jede kriegt ein Happy End

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.